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Interview: Wilbert und Sophie bereisen die Welt mit ihren beiden Kindern

Sie haben der letzten großen Flut in Malaysia getrotzt und schmieden gerade Pläne für eine Rundreise durch Japan, Vietnam und Kambodscha. Nein, Wilbert und Sophie gehören nicht zu den typischen Reisenden, die nach der Familiengründung die langen Touren gegen kleine Urlaube eingetauscht haben. Mit ihren Kindern Sam (3 Jahre) und Dax (4 Monate) bereisen sie noch immer sämtliche Ecken der Welt.

Er ist Fitnesslehrer, sie Projektmanagerin in einer Werbeagentur und beide hat schon vor Jahren das Reisefieber gepackt. Von Low-Budget-Trips innerhalb Europas bis hin zum großen Abenteuer in Thailand, Costa Rica und Peru: Schon während der aktuellen Reise wird die nächste große Tour geplant. Und auch nach der Geburt der beiden Kinder hat dieser Reisedrang kein bisschen nachgelassen.


WAR JEMALS DIE ANGST DA, DASS DIE FAMILIENPLANUNG DER REISELUST EIN ENDE SETZEN WÜRDE?

Sophie: Nein, wir konzentrieren uns jetzt eigentlich nur verstärkt auf Abenteuerreisen. Wir finden es super, mit den Kindern aktiv zu sein und sie an allem teilhaben zu lassen. Auf Reisen versuchen wir stets, einfach wie zu Hause immer nur das zu tun, was wir wollen. Gefällt den Kindern etwas nicht oder ist etwas einfach nicht machbar, dann lassen wir es eben. Das ist zwar nicht in jeder Situation möglich, aber dann versuchen wir, Sam das zu erklären und machen dann nachher etwas, was ihm gefällt.

Wilbert: Wir passen unsere Reisen jetzt einfach ein bisschen an, versuchen aber, sie stets so abenteuerreich wie möglich zu gestalten. Sam war 7 Wochen alt, als wir nach Curaçao flogen. Es war zwar ein Strandurlaub, aber dennoch bestiegen wir zu dritt den Christoffelberg, mit Sam auf dem Rücken. Könnte ich alles noch einmal machen, dann würde ich vielleicht noch mehr nur zu zweit bereisen, Länder, die für Kinder nicht so gut geeignet sind wie Nepal, Tibet oder die Philippinen. Unsere Reise nach Costa Rica und Miami mussten wir beispielsweise der Kinder wegen auch ein bisschen simpler gestalten. Was das Reiseziel betrifft, sind wir jetzt schon ein bisschen mehr eingeschränkt.


REISEN MIT KINDERN WILL GUT VORBEREITET SEIN. WIE PACKT IHR DAS AN?

 

Wilbert: Zuerst sehen wir uns die Impfempfehlungen an. Wir möchten all dies gern auf ein Minimum beschränken, auch was Malariatabletten angeht. Impfen lassen wir die Kinder gegen das Nötigste. Dann planen wir unsere Reisen so, dass Action und Entspannung in jeweils gleichem Maße gegeben sind. Bei längeren Trips buchen wir komfortable, aber keine Luxusunterkünfte und nach ein paar Tagen suchen wir uns ein Plätzchen mit Pool für die Kinder.

Sophie: Bei den Flügen planen wir so, dass immer genügend Zeit zum Umsteigen bleibt. Als es Richtung Seychellen ging, haben wir nämlich festgestellt, dass eine kurz bemessene Umsteigezeit mit Kindern in Hektik ausarten kann. Sam fand das natürlich super, wie wir mit ihm in der Babytrage durch den Flughafen gerannt sind, aber ideal war es sicherlich nicht. Wir verplanen im Urlaub auch nicht mehr jede freie Minute, sondern machen hin und wieder auch einen Tag lang nichts.


GAB ES AUCH SCHON MAL HEIKLE SITUATIONEN?

Wilbert: In Malaysia saßen wir wegen der Flut drei Tage lang im Dschungel fest. Dann wurden wir mit der einheimischen Bevölkerung in eine alte Schule gebracht und verbrachten eine Nacht draußen auf einer alten Kirchenbank. Sam war wohl der einzige, der in dieser Nacht ruhig schlafen konnte. Für andere Leute ist das wahrscheinlich eine heikle oder lästige Situation, aber ich fand es irgendwie richtig gut. Einmal so richtig back to basics. Wir hatten saubere Kleider, Windeln und Nahrung für Sam, ihm ging es prächtig. Und zum Dessert wurden wir per Hubschrauber evakuiert und konnten unsere Reise fortsetzen.


BEKOMMEN DIE KINDER ÜBERHAUPT ETWAS MIT VOM GROSSEN ABENTEUER?

Sophie: Ich glaube, der Trip auf die Seychellen ist die erste Reise, an die sich Sam erinnert. Er war damals 2,5 Jahre alt. Zurück in den Deutschland hat er jedem erzählt, wie er eine Schildkröte mit Blättern gefüttert hat. Und jedes Mal, wenn wir den großen Rucksack auspacken, strahlt er über das ganze Gesicht. Als ob er wüsste, dass wir wieder auf Reisen gehen.

Wilbert: Das gilt natürlich nicht für alle Reisen. Bei manchen war er einfach noch zu klein, um sich zu erinnern. Er steht total auf Feuerwehr- und Polizeiautos, aber hat keine Ahnung, dass er schon mal mit einem Feuerwehr-Helikopter geflogen ist.


UND DAS GEPÄCK? 

Wilbert: Auf lange Trips nehmen wir nur mit, was wir tragen können, also ist man da schon sehr begrenzt. Wir haben immer zwei Backpacks, einen Handkoffer und zwei Rucksäcke dabei, wenn wir eine Flugreise unternehmen. Im einen Backpack sind unsere Kleider und Hygieneartikel. In den anderen packen wir das Zeug für die Kinder, ein kleines Klappbett, Spielzeug, Essen (evtl. Milchpulver), Windeln, Feuchttücher, Schwimmsachen und Pflegeprodukte. Im Handkoffer haben wir die Kinderklamotten, Essen, Erste-Hilfe-Set, Tablet, Kamera, Ladekabel und Batterien.

Sophie: Im Handgepäck haben wir auch immer viel Snacks, Getränke und Spielsachen. Mit einem Baby braucht man einfach nur eine Thermoskanne und kaltes Wasser, dann kann man überall ein Fläschchen zubereiten, ohne von irgendwem abhängig zu sein. Obwohl wir wirklich so wenig wie möglich mitnehmen, ist es manchmal schon ein Kampf mit all dem Gepäck und den beiden Kindern. Dann ist es umso schöner, wenn uns jemand Hilfe anbietet, zum Beispiel wenn wir aus dem Zug steigen.


WELCHE HYGIENEARTIKEL HABT IHR IMMER DABEI? 

Sophie: Jetzt, da wir Kinder haben, nehmen wir immer ein Thermometer mit, Paracetamol für Kinder, Vaseline, Wattepads, Feuchttücher, Glukose-Elektrolyt-Lösung, Kinderzahnpasta und Pflaster. Je nach Reiseziel packen wir auch Insektenschutz für Kinder und etwas gegen Mückenstiche ein. Und natürlich standardmäßig Sonnenschutz und After-Sun-Lotion.

NOCH WEITERE TIPPS FÜR ABENTEUERELTERN IN SPE?

Wilbert: So viel Kindersachen wie möglich ins Handgepäck packen. Falls Gepäck verloren geht, hat man dies dann wenigstens bei sich. Was uns außerdem hilft, ist, dass wir Sam vorab erzählen, welche Pläne wir für den nächsten Tag haben. Wir geben ihm dann ein paar Dinge zur Wahl. So haben wir ihn beispielsweise in Neapel gefragt, ob er lieber eine Burg oder einen Vulkan besichtigen möchte. Dax ist zufrieden, solange er in seiner Babytrage sitzen kann, sein Essen bekommt und seine Windeln pünktlich gewechselt werden.

Sophie: Manchmal unternehmen wir auf Reisen auch Dinge, die Sam vielleicht nicht so gut gefallen. Aber es gibt immer Tricks, um ihm etwas schmackhaft zu machen. Einmal auf einer langen Wanderung auf den Seychellen konnte Sam eine Gruppe von Ameisen beobachten, die uns über den Weg liefen. Weil ihn das noch den ganzen Weg über beschäftigte, war der Rest der Wanderung ein Kinderspiel. Außerdem machen die simpelsten Spiele jede lange Reise oder Wanderung unterhaltsamer. Wir spielen zum Beispiel „Ich sehe was, was du nicht siehst“. Sam bekommt immer viel Aufmerksamkeit von uns und wenn er zufrieden ist, ist die Reise auch für uns entspannend.

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